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Agile Werte und Prinzipien als Wegbereiter zur Agilität

Arbeitsweise

Der Agile Kompass

Die Implementierung von Agilität beginnt oftmals mit der Entwicklung einer gemeinsamen agilen Vision. Ist zudem eine geeignete agile Arbeitsweise gefunden und entsprechend adaptiert, wird schnell mal plakativ verkündet »Wir machen jetzt Agile«. Ein Irrglaube, der sich leider in vielen Unternehmen auch noch Jahre nach der Einführung agiler Arbeitsweisen wiederfinden lässt. Denn das reine Arbeiten in entsprechenden Frameworks, wie zum Beispiel Scrum, Nexus, LeSS oder SAFe, garantiert nicht zwangsläufig Agilität.

Es ist vielmehr eine Art Hilfsmittel zur inkrementellen Produktentwicklung. Das Herz von Agile sind jedoch die verinnerlichten sowie gelebten Werte und Prinzipien, bei denen die Wertschöpfung im Mittelpunkt steht.

Der Weg zur Integration agiler Arbeitsweisen gleicht dabei einer Reise, bei der die Werte und Prinzipien unseren Kompass wiederspiegeln, ganz nach dem Motto »Der Weg ist das Ziel«. Diese in Gänze zu begreifen und sich ihnen anzunehmen stellt die größte Herausforderung für alle Beteiligten im agilen Arbeitsumfeld dar. Denn es betrifft nicht nur ein Individuum, es bedarf eines elementaren Kulturwandels zu einer kollaborierenden Organisation.

Als Aufbruch zur marktorientierten Entwicklung wurde damals das agile Manifest mit vier Werten und zwölf Prinzipien beschlossen, auf dem heute zahlreiche Ansätze und Frameworks, wie die oben genannten, ansetzen. Letztere bringen zum Teil eigene Werte sowie Prinzipien hervor und lassen sich auch in anderen Bereichen oder Branchen, als nur in der reinen Softwareentwicklung, anwenden. Hierbei werden rigide Verhaltensweisen aufgelöst und Arbeits-, als auch Denkansätze auf das Wesentliche reduziert.

Aus der Not eine Tugend machen

Werfen wir einen kurzen Blick zurück auf die Entstehung der agilen Werte und Prinzipien. Fest etablierte Entwicklungsansätze und –methoden resultierten in Desillusionierung und Stagnationen in der Softwareentwicklung Anfang der 2000er. Losgetreten von den stetig steigenden und wechselnden Kundenbedürfnissen, denen nicht nur die Softwarebranche drohte hinterher zu laufen, musste aus der Not eine Tugend gemacht werden und mehr Reaktionsfähigkeit sowie Offenheit in die Unternehmen einkehren.

Andernfalls droht die Reise bitter zu scheitern. Hat man jedoch diese Hürde gemeistert, resultieren sowohl Hochleistungsteams mit selbstorganisierter und unternehmerischer Denkweise, als auch eine grundlegend modernisierte Unternehmensstruktur mit gesteigerter Flexibilität. Hat man agile Werte und Prinzipien also vollkommen verinnerlicht, ist man in der Lage, mit komplexen Projektlandschaften umzugehen und weiß Störungen aufzufangen bzw. zu absorbieren.

Der Ursprung unseres Handelns

Werte und Prinzipien lenken unsere Sichtweisen und machen den Stellenwert unserer Handlungen aus. Jedes Individuum hat seine eigenen Kernwerte, die ihn ausmachen. Bei Teams ist es ähnlich, jedoch müssen auch diese sich ebenso zunächst finden um anschließend gemeinsame Werte für sich zu entdecken.

Aus dem agilen Manifest entsprangen die nachstehenden, aufgeführten vier Werte. An sie knüpfen sich zahlreiche Prinzipien, die das agile Mindset prägen.

  1. Individuen und Interaktionen sind höher gestellt als Prozesse und Werkzeuge. Insbesondere der Taylorismus führte zu einer immensen Verschwendung der nicht genutzten Talente und ungenutzten Fähigkeiten der eigenen Mitarbeiter. Agile- und Lean-Prinzipien stehen komplementär zu einander und versuchen diese Form der Verschwendung zu beseitigen, d.h. wie Lean versucht auch Agile das Wissen und die Fähigkeiten der eigenen Mitarbeiter zu fördern.

Selbstverpflichtung, Selbstorganisation und Verantwortungsbewusstsein bilden hier das Fundament zur agilen Arbeitsweise. Nimmt man sich dieser an, wird einem im Gegenzug das wertvollste geschenkt: Vertrauen. Dies in Verbindung mit einer klaren Vision, führt zu zufriedeneren Mitarbeitern und mündet letztlich in herausragenden Ergebnissen.

Commitment ist ein Anglizismus, der im agilen Arbeitsumfeld geläufig ist und die zuvor erwähnten Aspekte bekräftigt. Dabei birgt es sowohl für das Entwicklungsteam als auch für die Projektleitung, wesentliche Vorteile.

So kommt ein abgebenes Commitment seitens des Entwicklungsteams einer Verantwortungsübernahme bzw. einem Versprechen gleich, die zu tätigende Arbeit über einen definierten Zeitraum ableisten zu können. Somit wird das Arbeitspensum hochgehalten und die Projektleitung erhält eine realitätsnahe Planungsgrundlage.

Entscheidend ist hierbei jedoch, dass sich das Entwicklungsteam nur dem Arbeitspensum verpflichtet, das auch wirklich in der vorgegebenen Zeit bei gleichbleibenden Akzeptanzkriterien zu verrichten ist. Damit schützt es sich gleichzeitig vor undurchsichtigen Arbeitsbedingungen oder unvorhergesehenen Einflüssen.

  1. Funktionsfähige Produkte haben Vorrang vor umfassender Dokumentation. Eine marktorientierte und inkrementelle Produktentwicklung impliziert eine wirtschaftliche Ausrichtung bei gesteigerter Kundenzufriedenheit. Mit dem Fokus, anwendungsfähige Produktinkremente zeitnah an den Markt bzw. die Produktion übergeben zu können und dies innerhalb jedes einzelnen Entwicklungsintervalls, die wir in der Praxis unter sogenannten Sprints verstehen, können die Kundenbedürfnisse noch schneller gestillt und die Kundenbindung intensiviert werden.

Zugleich werden stets neue Baselines durch die entsprechenden Veröffentlichungen gezogen, die den Fortschritt und somit die Wertschöpfung absichern. Trotz alledem bleibt die Dokumentation unabdinglich im Hinblick auf Transparenz und Rückverfolgbarkeit, wobei inhaltlich, wie auch zeitlich, die Dokumentation auf das Notwendigste reduziert werden muss.

In einigen Projekten kann man immer wieder sehen, dass Dokumente durch ausgewiesene Experten bis ins kleinste Detail verfasst und analysiert werden, wohingegen oftmals bereits 80% von dem Geleisteten ausgereicht hätte. Das Stichwort hier lautet Effizienz, sein Handeln so zu optimieren, dass man auch möglichst zeitnah mit dem geringstmöglichen Aufwand sein Ziel erreicht.

  1. Zusammenarbeit mit dem Kunden hat höhere Priorität als Vertragsverhandlungen. Restriktive Verträge mit stark begrenztem Spielraum im Hinblick auf unvorhergesehene und doch notwendige Änderungen, potenzieren oftmals Veränderungskosten, die eben in der Folge umso teurer werden.

Dahingegen sind agile Arbeitsweisen deutlich kürzer getaktet und auf Basis der gesammelten Erkenntnisse sowie der eigenen Erfahrungen änderungsakzeptant. Folglich hat die Zusammenarbeit mit dem Kunden einen höheren Stellwert als langwierige Vertragsverhandlungen.

Die direkte Einbindung des Kunden in die Produktentwicklung dient zudem dem Verständnis der gegenwärtigen Kundenbedürfnisse, um auch so eine fortwährende Produktverbesserung gewährleisten zu können und den Kunden somit auch langfristig zu binden.

  1. Annahme von Änderungen im Gegensatz zu strikter Planungseinhaltung. Unabhängig in welcher Entwicklungsphase man sich befindet, können signifikante Änderungen den Erfolg bzw. das Scheitern eines Produktes ausmachen. Losgetreten von der gegenwärtigen Marktsituation musste eine flexible Ausrichtung der Produktentwicklung her, sodass man im Schritttempo mit den Kunden läuft und auf wechselnde Kundenbedürfnisse reagieren kann, um so letztlich wettbewerbsfähig zu bleiben.

Im Gegensatz zu alt eingesessenen und rigiden Projektstrukturen öffnen agile Arbeitsweisen die Tür für notwendige Änderungen, die das Produkt komplementieren, ohne dass abgeschlossene Projektunternehmungen ihren Wert verlieren müssen. Dementsprechend schließt sich dieser Wert nahtlos am vorherigen und dessen Prinzipien an.

Zuletzt darf ein wichtiges fünftes Merkmal auf unserer agilen Reise nicht unerwähnt bleiben. In nahezu allen agilen Frameworks ist der Kontinuierliche Verbesserungsprozess (Akz. KVP), zum Beispiel in Form von sogenannten Retrospektiven, fest verankert und ist für zahlreiche Experten der wichtigste Bestandteil der agilen Arbeitsweise. Die stetige Reflektion der eigenen Verhaltensweisen oder die Beseitigung von internen Differenzen sorgt für die fortlaufende Verbesserung der Zusammenarbeit innerhalb der Projektteams und dafür, dass die Wertschöpfung effektiver gestaltet werden kann.

Nicht nur hier findet man erneut eine starke Verbindung zu den Prinzipien, die wir bereits aus Lean kennen gelernt haben. Eine gelebte Haltung von Kaizen kann auch zur Sensibilisierung des agilen Mindsets beitragen.

Agilität gemeinsam erleben

Mittlerweile werden in zahlreichen Fachartikeln die aus dem agilen Manifest hervorgegangenen Werte und Prinzipien um einige Weitere ergänzt entsprechend adaptiert. Wir von der Tagueri AG begleiten unsere Kunden auf dieser Reise und legen besonderes Augenmerk auf das Verständnis, als auch das Leben dieser agilen Werte und Prinzipien.

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